Vereinsgründung FC Wacker Tirol 2002

Drucken

Nach der Insolvenz des FC Tirol im Jahre 2002 stand das Stadion ohne potentiellen Nutzer da. Das von BM. Herwig van Staa immer wieder propagierte multifunktionale Stadion, war keines. Inoffiziell war es zwar schon seit der Eröffnung des Tivoli Neu bekannt, aber jetzt konnte es der Öffentlichkeit nicht mehr geheimgehalten werden. Durch diese Umstände hatte die Politik ein großes Problem, das mit Hilfe der Gründung des FC Wacker Tirol von der Politik gelöst werden musste.
Die Politik hatte aber noch ein weiteres Problem zu lösen, dass zirka 350 Jugendliche in Nachwuchsmannschaften de facto auf der Straße standen. Von Seiten der Verantwortlichen wurde nämlich weder eine Nennung für die Meisterschaft des Tiroler Fußballverbandes abgegeben, noch irgend welche Maßnahmen gesetzt, um diesen Jugendlichen in der nächsten Saison ein Fußballspielen bzw. eine Teilnahme in den Ligen des Tiroler Fußballverbandes zu ermöglichen. Aus dieser Situation heraus hat sich die Dringlichkeit ergeben, sofort zu reagieren.

Die Lehren aus dem Untergang des sportlich erfolgreichen FC Tirol, ermöglichten einen kompletten Neuanfang. Durch die Installierung eines Mitgliedervereins als übergeordnetes Kontrollorgan sollte den zukünftigen finanziellen Himmelfahrtkommandos, über-motivierter Obmänner und Manager vorgebeugt werden.

 
Am 6. Juni 2002 das endgültige Aus für den österreichischen Meister FC TIROL! fctirol1
Der Bundesligasenat 5 verweigert auf Grund der katastrophalen wirtschaftlichen Lage des FC Tirols den Weiterverbleib in der höchsten österreichischen Spielklasse.
DAS ENDE: Am 24.6.2002 brachte Präsident Othmar Bruckmüller beim LG Innsbruck den Konkursantrag für den FC Tirol ein

BM. Herwig van Staa im Gemeinderat am 20. Juni 2002 über die von der Bundesligs verweigerte Lizenz für den FC Tirol

staa[.....] Ich mache den Vorwurf der Österreichischen Bundesliga, da sie sich geweigert hat, das Statut modern zu adaptieren. Dies wäre ohne weiteres möglich gewesen, um einen Nachfolgeverein in der höchsten Spielklasse spielen zu lassen.
Man hätte ohne weiteres beschließen können, dass die Bundesliga auf zwölf Vereine aufgestockt wird, weil man nach dem entsprechenden Reglement den Aufsteiger und den möglichen Absteiger nicht ausschließen kann. Das hätte man ohne weiteres machen können. Man hätte auch beschließen können, dass im Falle von kriminellen Handlungen durch Vorstandsmitglieder oder durch Maßnahmen, die vielleicht im medizinischen Bereich anzusiedeln sind, in diesem Fall der Verein nicht bestraft werden kann, sondern in der obersten Liga spielen muss. Das war ein sportpolitisch schwerer Fehler und eine ungerechte Bestrafung des Spitzenfußballklubs FC Tirol. Das ist unverantwortlich gegenüber der österreichischen Sportöffentlichkeit und vor allem gegenüber der Tiroler Fußballfreunde. Das muss erwähnt werden. (Beifall)
Ich mache der ganzen Bundesliga, die ein Verein ist und jederzeit in der Lage gewesen wäre, die Satzung zu ändern, diesen Vorwurf. [.....]

Die Schuldigen bei van Staa, sind immer die Anderen!


miniinfobleistifthfaktistdass die Organisation und Arbeitsweise eines Mitgliedervereins auf dem Grundsatz der repräsentativen Demokratie beruht. Die gemeinschaftliche Willensbildung gründet auf der Selbstbestimmung seiner Mitglieder und verfolgt das Ziel der Selbstbestimmtheit des Vereins.

Rechtlich ist die Bundesliga ein gemeinnütziger demokratischer Verein. Die derzeit 20 Vereine - 10 in der Bundesliga, 10 in der Ersten Liga - sind die ordentlichen Mitglieder des Verbandes. Nach außen wird die Bundesliga durch den geschäftsführenden Vorstand, - unterstützt durch eine Geschäftsstelle - vertreten, und dieser unterstützt den Vorstand bei der operativen Umsetzung. Statutenänderungen in der Bundesliga entscheiden daher nicht die Vorstände, sondern wie auch beim FC Wacker die Mitglieder. Außerdem würde eine Aufstockung auf 12 Vereine bedeuten, dass 8 Runden mehr gespielt werden müssten, was terminlich nicht durchführbar wäre.
Bezeichnend ist auch, dass keiner der Gemeinderäte auf die Idee kam, Herwig von Staa zu fragen, mit welcher Lizenz der FC Tirol in der Bundesliga spielen hätte können. Denn ohne Lizenz, kann kein Verein, auch mit den besten Absichten der Bundesliga, spielen.

Auch wenn sein Statement noch so an den Haaren herbeigezogen ist, der Beifall ist ihm, wie immer, gewiss.

 


Erst als sich die Finanzmisere beim FC Tirol nicht mehr schönschreiben ließ, schwenkten „Tiroler Tageszeitung" und „Krone", beide lange Zeit Medienpartner des FC Tirol, und der ORF auf eine vorstandskritische Linie um. Als die Tage des FC Tirol endgültig gezählt waren, schoss die „Tiroler Tageszeitung" den Vogel ab:

Nicht einmal 48 Stunden nachdem die Generalversammlung des FC Tirol den Insolvenzantrag beschlossen hatte, startete die „Tiroler Tageszeitung" die Aktion „Wie soll der Nachfolgeklub heißen?" Auch eine Form der Vergangenheitsbewältigung.

 

Aufruf der Tiroler Tageszeitung an ihre Lesergemeinschaft:

Machen Sie mit bei der Suche nach dem Namen für den Nachfolgeverein!

tt20020620ttvom 20.6.2002 von Fred Steinacher
Unter dem Titel:
TT-Leser suchen Klubnamen
Fieberhaft wird an einem Nachfolgeverein des FC Tirol gebastelt, doch alles rätselt - wie soll der Klub heißen? Die TT-Leserfamillie ist gefordert.

Ob Kooperation mit Wattens oder Wörgl, ob Regionalliga oder 1. Bundesliga - die Vorbereitungen für den Neustart eines Vereines, der im Blitztempo zurück in die Eliteklasse geführt werden soll, laufen auf Hochtouren. Aber noch rätselt Fußball-Tirol über den Namen des neuen Vereins der in diesen Tagen gegründet wird. Ideen gibt es viele, noch mehr wird diskudiert. Und klar ist - die Zeit drängt!
Die TT-Leserinnen und Leser sind aufgefordert - helfen Sie mit bei der - unverbindlichen - Suche des neuen Vereinsnamens, vieleicht ist es gerade Ihr Vorschlag, mit dem der Klub in die Zukunft geht.

Das Ergebnis nach 6 Tagen Namenssuche über die Tiroler Tageszeitung:

tt20020626ttvom 26.6.2002
Unter dem Titel:

Fans wollen wieder mit Wacker Innsbruck jubeln
Überwältigende Mehrheit für alten Namen im neuen Leben

1000 Vorschläge und ein klarer Gewinner bei der TT-Namenssuche. Die treuen Tiroler Fußballfans möchten wieder mit dem FC Wacker Innsbruck zittern.
Zurück zu den Wurzeln, Neubeginn in der Stunde der bittersten Niederlage: Für die treuen Fans des in Konkurs gegangenen FC Tirol hat die Fußballzukunft in Tirol nur einen Namen - FC Wacker Innsbruck. Unabhängig davon, dass urheberrechtliche Gründe diesem Wunsch vorerst entgegenwirken, setzen die Anhänger auf den alten Wacker-Geist im neuen Tivolistadion.
Der vorläufig gewählte Klubname FC Wacker Tirol findet einigen Zuspruch, aber nicht überragend viel. In Anlehnung an den FC Bayern München hätte ein FC Tirol Innsbruck, ein FC Innsbruck Tirol, ein FC Tirol 02 oder FC Innsbruck 02 schon mehrAkzeptanz. Überhaupt wurde sehr oft Tirol bzw. Innsbruck 2002 erwähnt. Die Jahreszahl steht für die Zäsur, den Neubeginn im heurigen Herbst.
Doch all diese Vorschläge stehen im Schatten von Wacker Innsbruck. "Mit jeder weiteren Umbenennung geht ein Teil des Clubs verloren", begründet ein Taufpate sein uneingeschränktes Votum für den FC Wacker Innsbruck. Nicht nur aus Tirol, sondern auch aus Mexiko, Canada, Amerika bzw. Deutschland kamen Vorschläge. Wenn der neue Klub FC Wacker Innsbruck heißen würde, gebe es im nächsten Jahr gleich das 90. Wiegenfest, verweist Tottigoal auf die Geburtsstunde von Wacker Innsbruck im Jahr 1913. "FC Wacker Innsbruck (....) und wenn wir auferstehen, dann singen und tanzen wir zugleich." Anatoll sieht es pragmatisch: "Wenn es jetzt schon sportlich nicht mehr läuft, haben wir zumindest noch den Namen, auf den wir stolz sein können."
Innsbrucks Sportstadtrat Michael Bielowski zeigt sich beeindruckt über das Ergebnis der Namenssuche. "Es beweist, dass Fans am Wiederaufbau eines Vereins aktiv mitwirken wollen." Der neue Verein solle ja ein Mitgliederverein auf breiter Basis werden, "wir benötigen die Unterstützung der Anhänger". FC Wacker Tirol sei nur "ein Arbeitsname, wir nehmen den Wunsch der TT-Leser sehr ernst", bekräftigt Bielowski.

 


Nach den Vorstellungen der Politiker, sollte diese Durststrecke nur zwei Jahre dauern. In einer Blitzaktion nach dem endgültigen Lizenzentzug fixierten Sportlandesrat Günther Platter und Innsbrucks Sportstadtrat Michael Bielowski an der Spitze eines so genannten „Proponentenkomitees" die Zukunft des Spitzenfußball in Tirol.
Im Spieljahr 2004/05 soll es nach den Vorstellungen der Tiroler Spitzenpolitiker wieder erstklassigen Fußball im Innsbrucker Tivolistadion geben. Ein Plan mit vielen Fragezeichen. Der von den Politikern entworfene „Durchmarsch am Reißbrett" könnte sich in der Praxis schon bald als nächste unheilvolle Vision herausstellen. Bereits in den ersten Sondierungsgesprächen zeigten sich große Probleme, Budget- und Personalfragen wurden in endlosen Marathonsitzungen diskutiert.

 

bielowski20. Juni 2002: Gab es einen Antrag im Gemeinderat von StR. Mag. Dr. Bielowski, GR.Kaufmann, GR. Lercher über den neu zu gründenden Verein FC Wacker Tirol.
"Der Gemeinderat möge beschließen:
1. Dem neu zu gründenden Verein 'FC Wacker Tirol' wird jede notwendige Unterstützung gewährt, um die zehn Jugendmannschaften aus dem 'Konkurs' des FC Tirol ihren Sport weiter zu ermöglichen.
2. Sollte der Vorstand des neuen Vereins, das Ziel des Wiederaufstiegs in die T-Mobile Bundesliga verfolgen, ist auch hier eine entsprechende Unterstützung zu gewähren.
Mag. Dr. Bielowski, Kaufmann, Lercher, alle e. h."

[.....] „Sowohl der Herr Bürgermeister wie Landesrat Platter, Landeshauptmann-Stellvertreter Eberle, Landeshauptmann Dr. Wendelin Weingartner als auch meine Person, haben bei allen Aussagen immer wieder erklärt, dass öffentliche Subventionierungen für den Profisport im Land Tirol sicherlich nicht erfolgen können und es nicht der geeignete Weg ist, um das Ziel des Spitzensportes in Tirol zu erreichen. Auf der anderen Seite muss ich feststellen, dass gerade der Breitensport ohne einen Spitzensport überhaupt nicht möglich ist. Gerade die Jugendlichen und der Nachwuchs benötigen eine entsprechende Vorbildwirkung. Wenn man gesehen hat, welche Emotionalität sich in den letzten Tagen in diesem Bereich abgespielt hat und mit welcher breiten Zustimmung nicht nur die Tiroler, sondern auch die Innsbrucker Bevölkerung hinter diesem Spitzensport steht, dann muss ich sagen, war das für mich eine beeindruckende Darstellung. Die Bevölkerung unterscheidet sehr wohl zwischen dem Vereinsvorstand und zwischen den Mannschaften des Vereins. Ich glaube, dass es gerade auch aus diesem Grund Aufgabe der Politik ist, in einer solchen Situation hilfreich und helfend zur Seite zu stehen, sowie entsprechende Möglichkeiten zu gewährleisten, damit Spitzensport im Land Tirol auf dem Niveau der T-Mobile Bundesliga in Zukunft immer weiter möglich sein wird." [.....]


Wortmeldungen von BM. van Staa

staa[.....] Der Profifußballklub ist ein privater Verein, bei dem wir immer jede Subventionierung abgelehnt haben. Dass es indirekte Förderungen gab, ist unbestritten. Diese sind im Verhältnis zu anderen Bundesländern und den Aufwendungen der öffentlichen Hand in der Stadt Innsbruck immer bescheiden gewesen, weil wir uns dazu bekannt haben, den Profifußball nicht zu unterstützen.


miniinfobleistifthfaktistder Verfassungsgerichthof stellte am 20.12.2005 im Zuge des Verfahrens um die Vergabe der Fernsehrechte in Österreich fest, dass die österreichische Bundesliga im öffentlichen Interesse steht! Daher ist der Bundesligaverein ein Teil der Gesellschaft, auch wenn es van Staa nicht so sehen will.

[.....] Das, was dieser Antrag von StR Mag. Dr. Bielowski inkludiert, ist die moralische Unterstützung und die Bereitschaft, alles zu unternehmen, um das Ansehen des Tiroler Fußballs als Spitzenklub wieder herzustellen und den Menschen zu signalisieren, dass die Politik dahinter steht.

[.....] Es handelt sich nicht um irgend einen Verein, sondern um einen Identifikationsklub, den wir möglichst rasch wieder mit einer breiten Reputation herstellen wollen. Aus diesem Grund stelle ich mich auch persönlich als Proponent zur Verfügung. (Beifall von der Fraktion "Für Innsbruck")

[.....] Ich wünsche mir, dass eine breite Bevölkerung sich daran beteiligt, damit es in Hinkunft nicht mehr einen Verein mit sechs oder acht Mitgliedern gibt, sondern wirklich einen Verein, der auch von der Basis her im Verein mitgetragen wird. Selbstverständlich werde ich mich aber nicht in die Geschäftsführung einmischen und die Unterstützung bekommt dieser Verein nur, solange er alles offen legt und alles transparent ist, so wie man sich einen Fußballverein eben vorstellt, der von der breiten Begeisterung der Jugend bis hin zu älteren Menschen getragen wird. Ich danke für dieses Zeichen der Solidarität.
miniinfobleistift
Wie immer, alles leere Versprechungen!

zeigerZum Gemeinderatsprotokoll

 


fcwt21. Juni 2002: Entgegen dem Wunsch der Fußballöffentlichkeit wurde der Nachfolgeverein als FC Wacker Tirol aus der Taufe gehoben. Der Verein war aus mehreren Gründen genötigt diesen Namen anzunehmen. Aus Sorge um die missbräuchliche Verwendung des Gründungsnamens sicherten sich Vertreter der Faninitiative Innsbruck die Rechte an der Wort- und Bildmarke FC Wacker Innsbruck. Deshalb konnte man derzeit nicht zum ursprünglichen Namen zurückkehren und einerseits vertrat die Politik zum xten-male die Meinung, dass nur durch den Begriff „Tirol" die Wirtschaft dieses Landes aktiviert werden konnte, und andererseits war diese Bezeichnung Grundvoraussetzung für eine Spielgemeinschaft mit der WSG Wattens.

 Aus diesen Gründen wurde durch den Sportstadtrat Michael Bielowski und Sportlandesrat Günther Platter, der FC Wacker Tirol gegründet. Gerhard Stocker wurde damals von Günther Platter gebeten, ihn im Vereinsaufbau zu beraten und mitzuhelfen den Verein innerhalb kürzester Zeit bundesligareif zu machen. Stocker stellte sich deshalb auch sofort als Geschäftsführer zur Verfügung.

blankBei der Vereinsgründung waren als
Obmann Dr. Michael Bielowski
Vorstände
Erwin Steinlechner, Prof. Friedl Peer, Dr. Hermann Holzmann, Mag. Ossi Wolkenstein und Harald Höpperger vertreten.

staaEinen Tag zuvor verkündete van Staa im Gemeinderat folgendes:
„Dr. Bodenseer hatte sich, so wie schon einmal, bereit erklärt, die Präsidentschaft zu übernehmen. Er hat sowohl von StR. Dr. Bielowski wie auch von mir gehört, dass wir nicht bereit sind, eine finanzielle Zusage in irgend einer Höhe, weder privat und schon gar nicht öffentlich, zu geben. Wir sind nur bereit, den Verein zu unterstützen."

miniinfobleistiftBodenseer wird sich hüten, noch einmal wie im Jahre 1995 beim FC Tirol, dieses Amt zu übernehmen. Schon damals ist es ihm nach eigenen Aussagen auch nicht gelungen, einen Gesinnungswandel bei der Politik herbeizuführen, da ganz einfach der Weitblick und der Mut der politischen Entscheidungsträger blankfehlt und das hat sich auch sieben (7) Jahre später nicht geändert.

spg30. Juni 2002: Wie schon einmal in der Geschichte, wurde mit der WSG Wattens eine Spielgemeinschaft SPG WSG Wattens/FC Wacker Tirol für 2 Jahre beschlossen.

Gerhard Stocker:
"Wir müssen der WSG Swarovski Wattens danken, die das alles erst ermöglicht hat. Ohne ihre uneigennützige Unterstützung gäbe es das alles heute gar nicht."

Für die am 27. Juli beginnende Saison 2002/03 ist der Sprung in die Erste Division geplant. Bei erfolgtem Aufstieg soll die Spielgemeinschaft mit Wattens wieder aufgelöst werden und als eigenständiger Innsbrucker Verein FC Wacker Tirol in der Saison 2003/04 den Aufstieg in Österreichs höchste Spielklasse erreichen.


zeigerZur Ära Stocker I - bis Aufstieg Bundesliga